6  Cybermobbing

Mobbing bezeichnet ein absichtliches, wiederholtes und aggressives Verhalten gegenüber einer Person. Einmalige Attacken oder Beleidigungen gehören nicht dazu. Cybermobbing bezieht sich auf das gleiche Verhalten, aber mittels elektronischer Medien. Im Vergleich zum Mobbing ohne elektronische Medien ist Cybermobbing oft für ein viel grösseres Publikum sichtbar. Dass die Täter die Reaktionen der Opfer nicht unmittelbar sehen können, kann eine enthemmende Wirkung haben. Die Attacken bleiben oft über den Moment hinaus sichtbar (z.B. durch gemeine Posts oder Fotos) und die Opfer können sich den Tätern schwer entziehen, weil sie über die digitalen Kanäle überall erreichbar sind.

6.1 Verletzendes Verhalten on- und offline

Fast ein Drittel (30%) der Befragten gibt an, offline oder online gemeines Verhalten sich selbst gegenüber erlebt zu haben. Mit 23% ist der Anteil jener, die das offline erlebt haben, deutlich höher als die 7%, die das online erlebt haben (Abbildung 6.1).

Mit 15% berichten die 9/10-Jährigen am seltensten von wiederholtem, gemeinem Verhalten. Bei den 13- bis 16-Jährigen schwankt der Anteil zwischen 35 und 38%. Der Anteil Befragter, der solche Gemeinheiten via elektronische Medien erlebt hat, bleibt über die ältesten drei Altersgruppen relativ konstant zwischen 8-10%. Mädchen erfahren solches Verhalten offline etwas häufiger (27%) als Jungen (19%); im Onlinebereich gibt es aber keinen Unterschied zwischen den Geschlechtergruppen.

Abbildung 6.1: Häufigkeit von verletztendem Verhalten
Antworten in % der Gruppe auf die Frage: Hat sich jemand in den letzten 12 Monaten [über eine gewisse Zeit lang an verschiedenen Tagen] dir gegenüber gemein oder verletzend (unangenehm, böse, fies) verhalten?

Von den 30% der Kinder und Jugendlichen, die im letzten Jahr verletzendes Verhalten erlebt haben (offline und online), berichteten 47%, dass dieses von anderen aus der Klasse oder der Schule ausging. Bei 39% stammte es von Freundinnen oder Freunden (siehe Tabelle 6.1). Etwas seltener kam es von Familienmitgliedern, einschliesslich Geschwistern (16%). Zudem gaben 10% der Befragten an, dass das Verhalten von Personen ausging, die sie nicht kennen.

Tabelle 6.1: Wer sich verletzend verhalten hat
Kinder und Jugendliche erfahren Mobbing am häufigsten durch Kinder in ihrer Schule, aber auch sehr oft durch Freund:innen
Antworten in Prozent der Befragten, die angegeben haben, im letzten Jahr Mobbing erlebt zu haben.
Gemeines oder verletzendes Verhalten kam von in %
Kinder aus meiner Klasse /andere Kinder aus meiner Schule 47
Freundinnen oder Freunde 39
Familienmitglied 16
Jemand, den ich nicht kenne 10
Jemand, mit dem ich in einer romantischen Beziehung bin („Freund oder Freundin“). 9
Möchte ich nicht sagen 6
Jemand, den ich nur über das Internet/online kenne 5
Jemand anderes 5
Lehrerinnen oder Lehrer 4
Ich weiss nicht, wer es war 2
Alle Befragten, die angegeben haben, im letzten Jahr verletzendes Verhalten erlebt zu haben, n = 416.

Die drei häufigsten Gründe für verletzendes Verhalten sind das eigene Aussehen oder Verhalten (von 50% der Betroffenen genannt), spezifisch die Körpergrösse oder das Gewicht (43%) sowie die eigenen Meinungen oder Überzeugungen (43%). Bei 10–16% der Betroffenen tritt Mobbingverhalten aus einem dieser Gründe mindestens wöchentlich auf (Abbildung 6.2).

Weitere Gründe wie Sexualität, Herkunft, Religion oder Hautfarbe werden seltener genannt, jedoch ebenfalls von einem Teil der Befragten wöchentlich oder häufiger als Gründe für gemeines Verhalten erlebt.

Abbildung 6.2: Gründe für Mobbbing
Antworten in % auf die Frage: Wie oft wurdest du in den letzten 12 Monaten aus folgenden Gründen schlecht behandelt (online/im Internet oder auch nicht online/ nicht im Internet)?

6.2 Cybermobbing

Obwohl verletzendes Verhalten in Person deutlich häufiger berichtet wird als online (siehe Kapitel 6.1), werden einige spezifische Formen davon dennoch relativ häufig erwähnt (Abbildung 6.3).

Die mit Abstand häufigste Form von verletzendem Verhalten online sind gemeine oder verletzende Nachrichten: 45% der Betroffenen berichten davon, bei 6% tritt dies wöchentlich oder häufiger auf. Zudem geben 29% der Betroffenen an, online von Gruppen oder Aktivitäten ausgeschlossen worden zu sein. 19% berichten, dass auch schon verletzende Nachrichten, Bilder oder Videos von ihnen herumgeschickt oder gepostet wurden.

Abbildung 6.3: Formen von Cybermobbing
Antworten in % auf die Frage: Wie oft sind dir diese Dinge in den letzten 12 Monaten passiert?

Gefragt nach ihrer Reaktion auf verletzendes Verhalten gaben 26–28% der Betroffenen an, sich davon ein wenig gestört oder verärgert gefühlt zu haben (Tabelle 6.2). 13–16% hat das Verhalten sehr gestört.

Beim Vergleich von Mädchen und Jungen zeigen sich geringe Unterschiede beim Anteil derjenigen, die angaben, mehr oder weniger verärgert zu sein. Deutlich ist jedoch, dass Jungen wesentlich häufiger angaben, gar nicht verärgert gewesen zu sein (30%), als dies bei Mädchen der Fall war (5%).

Tabelle 6.2: Reaktion auf Cybermobbing
Viele reagieren verärgert auf Cybermobbing; Jungen sind häufiger indifferent.
Antworten in % der Mädchen und Jungen, die Cybermobbing erlebt haben, auf die Frage: Das letzte Mal, als das passiert ist, wie hast du dich dabei gefühlt?
Reaktion Jungen Mädchen Differenz
Ich war nicht gestört/verärgert 30 5 -25
Ich war ein wenig gestört/verärgert 26 28 2
Ich war ziemlich gestört/verärgert 12 23 10
Ich war sehr gestört/verärgert 13 16 4
keine Antwort 19 28 9
Alle Mädchen und Jungen, die angegeben haben, Cybermobbing erlebt zu haben, n = 238.

Diejenigen, die angaben, sich am gemeinen Verhalten anderer gestört zu haben, wurden gefragt, ob sie mit jemandem darüber gesprochen haben. Am häufigsten werden Freundinnen und Freunde (55%) und die Eltern (40%) als Ansprechpersonen genannt. Ein beträchtlicher Anteil (22%) hat mit niemandem über die Vorkommnisse gesprochen (Tabelle 6.3). Ein Teil der Befragten hat sich an Geschwister gewandt (18%).

Auch wenn nicht alle Ansprechpersonen gleich häufig ins Vertrauen gezogen werden, zeigen die Daten, dass jede abgefragte Person mindestens von einem kleinen Teil der Betroffenen als wichtige Ressource in Anspruch genommen wird.

Tabelle 6.3: Mit wem über Cybermobbing gesprochen
Betroffene, die sich über Cybermobbing ärgern, sprechen oft mit Freundinnen und Freunden oder den Eltern darüber.
Antworten in % der Befragten, die sich durch das erlebte Cybermobbing gestört oder verärgert fühlten. Frage: Das letzte Mal, als das passiert ist, mit wem hast du darüber gesprochen?
Gesprochen mit in %
Einem Freund / einer Freundin (ungefähr gleich alt wie ich) 55
Meiner Mutter oder meinem Vater (oder Erziehungsberechtigte) 40
Ich habe mit niemandem gesprochen 22
Meinem Bruder oder Schwester (auch Stiefgeschwister, Pflegegeschwister oder Halbgeschwister) 18
Einer Lehrerin / einem Lehrer 7
Jemand anderem 6
Meinem Grossvater oder meiner Grossmutter 5
Einer anderen erwachsene Person, der ich vertraue 5
Möchte ich nicht sagen 5
Jemand, dessen Beruf es ist, Kindern zu helfen 3
Jemand, mit dem ich online/im Internet spreche 3
Betroffene, die sich über das verletzende Verhalten geärgert haben, n = 160.