1  Key findings

Die Ergebnisse der EU Kids Online Schweiz Studie zeigen ein vielschichtiges Bild der digitalen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Digitale Medien sind allgegenwärtig und eröffnen vielfältige Chancen für Lernen, Kommunikation und Unterhaltung. Gleichzeitig werden Kinder früh mit Risiken wie problematischen Inhalten, Hassrede, Cybermobbing oder übermässiger Nutzung konfrontiert. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass digitale Kompetenzen und Strategien zum Umgang mit Risiken häufig noch unzureichend ausgeprägt sind und Heranwachsende sich insbesondere beim Umgang mit Herausforderungen wie Fake News, Datenschutz, Cybermobbing oder Nutzungszeit mehr Unterstützung wünschen. Auch Eltern spielen dabei eine zentrale Rolle – doch fast die Hälfte spricht nie oder nur selten mit ihren Kindern über deren Aktivitäten im Internet. Die folgenden zentralen Befunde geben einen kompakten Überblick über die bestehenden Herausforderungen.

1.1 Kinder und Jugendliche

  • Die drei häufigsten Risiken sind der Kontakt mit Hassrede, mit problematischen nutzergenerierten Inhalten und mit sexuellen Darstellungen.

  • Nur gut die Hälfte der 15/16-Jährigen weiss, wie man die Glaubwürdigkeit von Informationen aus dem Internet prüft.

  • Die meisten kennen Blockier- und Meldefunktionen in sozialen Medien und über die Hälfte hat diese auch schon benutzt.

  • Freundinnen und Freunde sind die wichtigsten Ansprechpersonen bei unangenehmen Erlebnissen im Internet.

  • Kinder und Jugendliche wünschen sich vor allem Tipps zu den Themen Fake News, Datenschutz und Cybermobbing.

  • Nur 52% aller Befragten und 65% der 15/16-Jährigen wissen, was sie tun können, wenn jemand im Internet etwas macht, das sie stört. Personen zu blockieren ist die wirkungsvollste Massnahme, wobei jüngere Kinder damit weniger erfolgreich sind als ältere.

  • 28% geben an, dass ihre Eltern nie mit ihnen über das sprechen, was sie im Internet machen, weitere 18%, dass dies fast nie geschieht.

  • Insbesondere 15/16-Jährige teilen persönliche Daten so, dass viele Leute, die man noch nie persönlich getroffen hat, diese sehen können.

  • KI-Tools werden vor allem für die Schule eingesetzt, um Dinge einfacher zu machen, Zeit zu sparen und bessere Noten zu bekommen.

  • Fast ein Viertel (23%) der 15/16-Jährigen gibt an, erfolglos versucht zu haben, weniger Zeit im Internet zu verbringen.

  • Beim Vergleich von Handy-Regeln in der Schule stehen die Schülerinnen und Schüler einer Regel, bei der man ein Handy zur Schule mitbringen, aber nur in Ausnahmefällen benutzen darf, am positivsten gegenüber (gleich wie die Lehrpersonen).

1.2 Lehrpersonen

  • Bei der Aus- und Weiterbildung wünschen sich Lehrpersonen insbesondere mehr Gewicht bei den Themen Künstliche Intelligenz, übermässige Mediennutzung und Cybermobbing, aber auch bei Themen wie soziale Medien, Glaubwürdigkeit von Informationen und Fake News.

  • Lehrpersonen haben in den meisten abgefragten Bereichen sehr hohe Kompetenzen, ausser bei den Themen Künstliche Intelligenz und Programmiersprachen.

  • Beim Thema Umgang mit dem Handy in der Schule stehen die Lehrpersonen einer Regel, bei der man ein Handy zur Schule mitbringen, aber nur in Ausnahmefällen benutzen darf, am positivsten gegenüber (gleich wie die Schülerinnen und Schüler).

  • Die häufigsten Unterrichtsthemen sind Glaubwürdigkeit, übermässige Mediennutzung, Datenschutz und Cybermobbing, wobei die Lehrpersonen eine breite Palette weiterer Themen im Unterricht behandeln.

  • Ein Drittel der Lehrpersonen findet, dass dem Thema Cybermobbing zu wenig Beachtung geschenkt wird.

  • Fast die Hälfte (48%) findet, dass dem Thema übermässige Mediennutzung zu wenig Beachtung geschenkt wird.

  • Lehrpersonen stellen bei den Schülerinnen und Schülern sowohl positive wie auch negative Effekte der Mediennutzung auf die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper und auf das Selbstbewusstsein fest.

1.3 Schlussfolgerungen für die Präventionsarbeit

  • Prävention früh ansetzen und auf den Umgang mit Risiken fokussieren. Der Kontakt mit den meisten Risiken betrifft bereits die jüngeren Befragten und die Häufigkeit solcher Kontakte nimmt in der Regel mit dem Alter zu. Der Kontakt mit Risiken gehört zum Aufwachsen in einer digitalen Welt dazu. Dass Risiken existieren, bedeutet jedoch nicht zwingend, dass alle Kinder und Jugendlichen negative Erfahrungen machen müssen. Nur 25% der 9/10-Jährigen wissen, was sie tun können, wenn sie online etwas stört. Und auch bei den 15/16-Jährigen ist dieser Anteil mit 65% noch zu klein. Weil der Kontakt mit Risiken nicht gänzlich verhindert werden kann, muss Prävention möglichst früh ansetzen und auf den adäquaten Umgang mit Risiken abzielen.

  • Eine aktive Gesprächskultur fördern und auch an die Gleichaltrigen denken. Nach wie vor sind Freundinnen und Freunde noch vor den Eltern die am häufigsten gewählten Ansprechpersonen. Gleichaltrige sind damit die wichtigste Anlaufstelle bei unangenehmen Erlebnissen im Internet. Kinder und Jugendliche sollten dazu ermuntert werden, bei ernsthaften Problemen von Freundinnen und Freunden ebenfalls Rat bei Erwachsenen zu holen. Weiterhin gibt es Kinder und Jugendliche, die sich bei unangenehmen Erlebnissen niemandem anvertrauen. Auch diese sollten ermuntert werden, sich an eine Vertrauensperson zu wenden.

  • Das Thema übermässige Nutzung stärker beachten. Die übermässige Internetnutzung beschäftigt Kinder, Eltern und Lehrpersonen. Diesem Thema sollte auf allen Ebenen – auch bei der Regulation der Plattformen – mehr Beachtung geschenkt werden, insbesondere weil der Wunsch nach Tipps auch von den Kindern und Jugendlichen selbst kommt.

  • Beim Fokus auf bestimmte Risiken auch auf die Zielgruppe hören. Zur Setzung passender Themen in der Prävention sollte auch die Stimme der Kinder und Jugendlichen gehört werden. Sie wünschen sich insbesondere zu den Themen Fake News, Datenschutz, Cybermobbing und Nutzungszeit mehr Hilfestellungen und Tipps.

  • Eltern ermuntern, mit ihren Kindern über deren Aktivitäten im Internet zu sprechen. Nach wie vor spricht fast die Hälfte (46%) der Eltern nie oder fast nie mit den Kindern über deren Aktivitäten im Internet. Eltern sollten weiterhin ermuntert werden, dies regelmässig zu tun.

  • Ein breites Handlungsrepertoire bei unangenehmen Erlebnissen aufzeigen. Kindern und Jugendlichen sollte eine breite Palette an Massnahmen aufgezeigt werden, wie man sich gegen störende Erlebnisse im Internet wehren kann. Nicht alle Massnahmen sind gleich erfolgreich. Aber bei allen untersuchten Massnahmen gibt es einen Teil der Befragten, die damit Erfolg hatten. Es ist daher empfehlenswert, über verschiedene Massnahmen und deren situative Angemessenheit zu sprechen, damit Kindern und Jugendlichen im Bedarfsfall möglichst viele verschiedene Optionen zur Verfügung stehen.

  • Die Versorgung mit offiziellen Lehrmitteln fördern. Die Versorgung mit offiziellen Lehrmitteln in der Schule kann noch verbessert werden - ein Drittel der Lehrpersonen gibt an, dass ihnen davon nicht genügend zur Verfügung stehen. Sie erstellen Arbeitsblätter selber, nutzen inoffizielle Lehrmittel und müssen sich die Inhalte aus verschiedenen Quellen zusammensuchen. Passende Lehrmittel helfen, den fachlichen Fokus zu setzen und ermöglichen es den Lehrpersonen, einen grösseren Teil ihrer Ressourcen für den eigentlichen Unterricht einzusetzen.

  • Themenauswahl in der Aus- und Weiterbildung erhöhen. In der Aus- und Weiterbildung sollten die Wünsche der Lehrpersonen einbezogen werden. Sie möchten eine stärkere Gewichtung auf Themen wie übermässige Mediennutzung, Cybermobbing, soziale Medien und Glaubwürdigkeit legen. Gleichzeitig zeigen die Daten eine breite Palette weiterer Themen, zu denen sich Lehrpersonen mehr Informationen wünschen.